Entstehung einer Chinesischen Drachentruhe (Teil 3)
November 3, 2008
Auch hier kam neben Schnitzmesser und Klüpfel wieder das kleine elektrische Schnitzmesser bei den geometrischen Ornamenten zum Einsatz, das eigentlich für den Modellbau gedacht war. Für die filigrane Arbeit, die ich vorhatte, jedoch bestens geeignet, vor allem für die geraden Teile der Arbeit.
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Bezüglich der einzelnen Motive und Bilder, mit der diese “Märchen- truhe” verziert wurde, ließ ich mich von den Mustern auf altem chinesichen Porzellan inspirieren, die oft Geschichten aus dem bäuerlichen Leben, aus Mythen und Erzählungen durch Bildelemente darstellen.
Die Schriftzeichen sind rein fiktiv und habe nur eine dekorative Bedeutung.
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Schritt 1 waren natürlich die Entwürfe und Zeichnungen, die dann teils per Schablone, teils Blaupapier auf das Holz übertragen wurden (mit Bildern in den vorhergehenden Artikeln dokumentiert). Nach dem Schnitzen wurde das Holz wieder sorgsam geglättet und schließlich mit einer Beize in Mahagonifarbe eingefärbt. Schließlich wurde das Holz wieder mit einem Firnis auf Bienenwachsbasis behandelt, um es gegen Feuchtigkeit resistent zu machen und schließlich mit Bienenwachs poliert:
Die folgenden Bilder reflektieren übrigens den Zustand der Truhe nach 10 Jahren Gebrauch:
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Die Truhe wurde innen ganz nach chinesischer Tradition in mehreren Schichten mit Acryllack leuchtend rot lackiert.
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Da die Truhe auch einen praktischen Zweck erfüllen und nicht ausschließlich zur Dekoration dienen sollte, wurde die Vorderseite durchbrochen geschnitzt, um Luft an das Innere zu lassen – um z.B. Bettzeug darin zu verstauen. Aber es lassen sich natürlich auch andere Einsatzmöglichkeiten realisieren. Damit wird diese Truhe zu einer echten Wohnidee.
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Letztendlich wurden Messing- scharniere angebracht, die zu der filigranen Arbeit passen sollten. Die Truhe ist also nicht zum Verstauen von schweren Gegenständen geeignet, was aber auch nie beabsichtigt war.
Entstehung einer Chinesischen Drachentruhe (Teil 2)
November 3, 2008
Im letzten Artikel habe ich über die negative Entwicklung des Kunsthandwerks durch den Tourismus in Südostasien gesprochen. Diese Entwicklung ist wirklich zu bedauern, da es vor mehr als 10 Jahren noch möglich war, hochwertiges Kunsthandwerk zu sehr vernünftigen Preisen zu erwerben. Was heutzutage angeboten wird, ist in den meisten Fällen nur noch billiger Kitsch, wird aber lustigerweise in sogenannten asiatischen Antiquitätenläden für viel Geld in Europa und Amerika verkauft. Dabei kann man, wenn man Spaß an solchen Gegenständen hat, diese sehr günstig im Internet erwerben. Jedem sollte allerdings klar sein, daß hier die Qualität der Gegenstände stark zu wünschen übrig läßt.
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Wo noch echte Handwerks- tradition gelebt wird, ist es faszinierend zu beobachten, mit welcher Geschwindigkeit Figuren und andere Objekte, sei es aus Holz oder aus Stein entstehen. Dies geschieht aufgrund jahrzehnterlanger Übung mit immer den gleichen Formen. Spontaneität ist hier weniger gefragt und die individuelle Gestaltung muß den traditionellen Formen folgen. Dies muß man akzeptieren und verstehen, warum das so gehandhabt wird.
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Natürlich gibt es unzählige hochbegabte Künstler in Asien, die nach eigenen Entwürfen arbeiten. Diese Kunstwerke sind nicht mit denen des touristischen Massenangebots zu vergleichen. Leider ist für die viele Leute diese Unterscheidung nicht erkennbar. Man möchte nur möglichst billig einkaufen und dann bleibt die Entdeckung der wahren Kostbarkeiten auf der Strecke. Das ist sehr bedauerlich. Aber dies gilt natürlich nicht nur für Kunstobjekte, sonst würde der Handel mit Plagiaten nicht so florieren.
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Um nun auf meine eigene Arbeit zurückzukommen, entschied ich mich bei der Wahl meines Materials für die Truhe für simple Kiefer. Ein leichtes Holz, das allerdings nicht immer ganz einfach zu bearbeiten ist, vor allem wenn es um filigranes Arbeiten geht. Das Holz splittert leicht beim Schnitzen und weiche und harte Partien wechseln einander ab. Es war eine Herausforderung.
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Entstehung einer Chinesischen Drachentruhe (Teil 1)
November 3, 2008
Die Liebe zum Detail, zu asiatischer Ornamentik brachte mich dazu, mehrere, sehr aufwendige Truhen zu schnitzen. Inspiriert von vielen Asienreisen wollte ich die Formenvielfacht und überschäumende Elemente in eigenen Bildern verarbeiten und da erschien mir eine dekorative Truhe, die auch noch einen praktischen Zweck erfüllt, gerade das richtige Objekt.
Außerdem kann ein einzelnes Objekt wie dieses, das alles andere als alltäglich und in dieser Form außerdem ein Unikat ist, einen Raum völlig neu gestalten. Es wird einfach zum Blickfang, v.a. wenn der Rest des Raumes in naturweiß oder hellbeige gehalten und sparsam/minimal eingerichtet wird.
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Asienreisen sind heutzutage erschwinglich geworden, daher ist das Interesse der Menschen an fremdartigen und exotischen Formen stark gestiegen und der Wunsch, sich mit Hilfe von Erinnerungsstücken an diese Exotik zu erinnern. Leider ist damit auch der Markt völlig übersättigt mit Billigimporten aus Asien bzw. die Mitbringsel aus fernen Ländern werden meist in sogenannten Handicraftläden erworben und sind handwerklich und materialmäßig von billigster Qualität.
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Dazu kommt, daß oft illegal geschlagenes Tropenholz zum Einsatz kommt und das böse Erwachen nach wenigen Monaten erfolgt: die Gegenstände springen, bekommen Risse, weil das Holz unsachgemäß gelagert oder gar nicht und/oder unser Klima gar nicht verträgt.
Dazu kommt, daß die Gegenstände zwar mit der Hand gefertigt, aber keineswegs Einzelstücke oder gar Originale sind. Meist sind sie das Ergebnis von Künstlerfamilien, die seit Jahrunderten ihr Kunsthandwerk von einer Generation auf die andere vereben. Dabei sind die Formen der Objekte längst zu einer Art Standard geworden, werden also nicht jedes Mal neu entworfen. Das würde auch keinen Sinn machen, weil damit die Gegenstände und Figuren ihren ursprünglichen Verwendungszweck, nämlich die Tempel und heiligen Plätze auszustatten nicht mehr erfüllen würden.
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Die Tradition verlangt, daß der Künstler nicht von der Standardversion abweicht, d.h. zum Beispiel daß die von uns so bewunderten Götterfiguren immer gleich auszusehen haben, je nach Bedeutung sogar mit dem gleichen Gesichtausdruck. Die Figuren habe schießlich die ursprüngliche Bedeutung in der Tempelausstattung zu erfüllen und nicht die Bedürfnisse eines Touristen. Daß letztlich durch den Tourismus nur ein zusatzliches Zubrot für die Familien entstand, ist eine willkommene Tatsache.
Obwohl handgefertigt werden damit die Figuren und Objekte leider zur Massenware. In Regionen, wo der Tourismus überproportional zugenommen hat, ist allerdings zu beobachten, daß selbst die Qualität der für die Touristen gefertigten Produkte rapide abnimmt, wie ich aus eigener Erfahrung beobachten konnte. Dies ist sehr schade und bringt damit den handwerklichen Ruf einer ganzen Region in Verruf. Damit wird ein ursprünglich hochwertiges Mitbringsel zum billigen Kitsch.
(Wird fortgesetzt)
























