Gedanken zur Kunst (2)

November 13, 2008

Ich lese und höre immer wieder, daß wahre Kunst nicht schön sein darf, daß es an den Kunstakademien verpönt ist, Kunst mit Schönheit zu verbinden oder sagen wir eher Ästhetik, denn manche Leute scheinen auf das Wort “Schönheit” allergisch zu reagieren. Man macht sich lustig über die Studenten, die offensichtlich Kunst mit Können und Ästhetik verwechseln und das auch noch offen gestehen.  Zumindest ist das mein Eindruck. Generalisiert, zugegeben, aber ich kann nur von einer subjektiven Empfindung sprechen, da ich keine wissenschaftlich/philo- sophische Abhandlung darüber verfassen will. Aber wahrscheinlich verstehe ich ja auch gar nichts von Kunst und maße mir da auch nur ein inkompetentes Urteil an.

Meine Beobachtungen gehen aber dahin, daß in den hiesigen (in Deutschland) Ausschreibungen offensichtlich nur solche “Werke” akzeptiert werden, die sich ganz sicher niemand in die Wohnung stellen oder hängen würde. Alles, was nur leicht den Geruch des Verkäuflichen an sich hat, ist von vorneherein erst mal mega out. Schade! Kein Wunder also, daß viele Leute so was wie Angst vor der Kunst haben, sich nicht damit auseinandersetzen wollen oder können, weil sie nicht zugeben wollen, daß ihnen etwas gefällt. Auch dies könnte ja verpönt sein.

Sollte Kunst also nur häßlich und abstoßend, unverständlich und überzogen sein? Darf es nur grotesk oder gar nicht erkennbar sein? Ist Kunst nur Kunst, wenn man ein Buch dazu lesen muß, um zu verstehen, was der Künstler versucht hat zu vermitteln – wenn er/sie es überhaupt selbst weiß?

Wer aber auf der anderen Seite hat das Recht über Kunst und was Kunst ist wirklich zu befinden? Die Kritiker? Die Professoren? Kann jemand, der nie einen Pinsel oder Meisel in der Hand gehabt hat eigentlich über Kunst urteilen? Kann er nachvollziehen, was in einem, der’s macht, vorgeht? Und warum er es macht? Viele Künstler selbst können diese Fragen nicht beantworten.

Klar – es gibt Regeln, nach denen man beurteilen kann. Es gibt Gesetzmäßigkeiten, die auf den physikalischen and psychologischen Grundprinzipien aufbauen. Aber Regeln sind auch dazu da, gebrochen zu werden, um bestimmte Effekte hervorzurufen.

Ich möchte von ganz pragmatischen Dingen reden.

Kunst läßt sich im Grunde genommen in drei Kategorien einteilen:

  • einmal die Museumskunst, die keiner kauft, weil man sich normalerweise sowas nicht ins Wohnzimmer stellt oder die Wand hängt (hierzu rechne ich übrigens auch die sakrale Kunst, die ja wiederum eine ganz andere Bedeutung hat);
  • dann zweitens die sogenannte Investitionskunst, die Leute kaufen, um sie dann in den gesicherten Keller oder sonstigen Safe zu sperren, damit sie ja nicht beschädigt wird, weil sie ja ein Investitions- und Spekulationsobjekt ist. Das ist meiner Meinung nach die schlimmst Form mit der Kunst umzugehen, weil niemand mehr Zugang zu dieser Kunst hat und sie für die Menschen, für die sie ja eigentlich gemacht wurde, verloren ist. Es sind dann eher die Kopien, die man sich zwecks Gestaltung eines Raumes an die Wand hängt;
  • und letztens die Gebrauchskunst, die von Kitsch bis “echter” Kunst reichen kann, die gekauft wird und die auch “gebraucht” wird, weil man sie aufhängt oder aufstellt, um etwas zu schmücken, um sich in ihrer Umgebung einfach wohl zu fühlen (ahh – da ist wieder das schreckliche Wort…) oder sich grausen will, wobei das letztere freilich eher unwahrscheinlich ist. Es gibt aber auch Menschen, die einen gewissen Nervenkitzel brauchen, um cool zu sein. Cool = wohlfühlen!

Nach meiner Meinung ist die Kunst keine heilige Kuh, die man nicht antasten darf (auch im metaphorischen Sinne gemeint). Kunst ist – egal welche – nichts, wofür man ein ein Leben opfern müßte. Auch nicht für das teuerste Bild der Welt! Kunst ist vom Menschen gemacht, ein Objekt, das gefallen oder abstoßen kann, das mit großem Können und meisterlicher Technik gefertigt sein kann oder aber auch hingeschmiert, aufgehäuft, hingeworfen, angeklebt, schlichtweg irgendwie entstanden ist durch die Absicht eines einzigen oder einer Gruppe von Menschen – nicht Tieren.

Kunst ist schlichtweg ein Objekt der Begierde, etwas von dem man sich emotional beeinflussen läßt. Warum also immer dieses Werturteil, ob wahre Kunst, Kitsch oder ja was? Schade eigentlich…

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